GEBRAUCHTE LANDSCHAFTEN
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GEBRAUCHTE LANDSCHAFTEN 5        

In seiner neuen Serie "Gebrauchte Landschaften" wendet sich Paul Kremp einem für ihn neuen Thema zu. Gestalterisch und technisch sind diese Bilder eine Weiterentwicklung seiner bisherigen Arbeit, aber sie sind auch ein Experiment.

Er selbst gibt der Serie einen Untertitel:

Die Rückkehr der Landschaft
The return of landscape
Le retour du paysage

Treten Landschaften, die schon häufig Bestandteil seiner Arbeiten waren, nun aus der Rolle des Bildhintergrundes in den Vordergrund?
Gewinnt die Landschaftsmalerei an sich wieder an Bedeutung?
Erobert die Landschaft den ihr von der Menschheit abgerungene Raum langsam aber sicher zurück?

Die Bilder zeigen etwas, das man auch "langweilige Landschaften" nennen könnte. Landstrassen, Gebüsch, Stromleitungen. Die meisten von uns haben Sehgewohnheiten entwickelt, die uns die allgegenwärtigen Spuren (oder Narben) der Zivilisation nicht mehr bewußt wahrnehmen. Paul Kremp macht sie zum gestalterischen Element dieser Bilder, retuschiert sie nicht weg, wie sie z.B. in den Motiven von "Fernweh" und "Grand Tourismo" konsequenter Weise einfach nicht vorhanden sind. Insofern bedeutet diese Serie für seine Arbeit eine Wendung in eine neue Richtung (auch wenn z.B. in "Loosing Speed" Spuren von Gebrauch bereits eine gestalterische Rolle gespielt haben).

Eine konsequente Weiterentwicklung seines Ligne Claire Stils besteht jedoch darin - und dies muss man ausdrücklich erklären, da sich die Textur der Bilder am Computerbildschirm nahezu nicht darstellen lässt - , dass hier eine Mischtechnik aus Ölmalerei und Collage zum Einsatz kommt. Jede Farbfläche ist aus Leinwand ausgeschnitten und wird auf schwarz grundierter Leinwand zum Motiv zusammengesetzt. Dazu arrangiert er die unterschiedlichen Strichintensitäten und -richtungen, wie es auf einer Leinwand allein nicht zu bewerkstelligen wäre.

Und so bestehen die Bilder nicht nur aus zerschnittenen, also "gebrauchten" Leinwänden, sondern erzeugen durch die teilweise gegenläufigen Striche einen irritierenden Effekt des Unstimmigen, der Unruhe in der Langeweile, des Geschundenen. Damit bildet er die Realität viel subtiler ab, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Diese Bilder berühren emotional.

Veit Kenner, April 2011